Ein Beispiel für ein Kotbrett aus Jülich-Broich (Bild G.Wirth) (Zum Vergrößern bitte anklicken)

GOTTFRIED WIRTH -

VON SCHWALBEN, DEREN WIDRIGEN ÜBERLEBENSBEDINGUNGEN UND IDEEN ZUM AKTIVEN SCHWALBENSCHUTZ

 

Unsere geliebten Sommerboten, die Schwalben, haben mittlerweile einen schweren Stand. Als absolute Kulurfolger haben sie sich von ihren felsigen Brutgebieten entwöhnt und bevorzugen unsere festen Bauten. An den Wänden der menschlichen Behausungen hielten ihre Nester schon vor tausenden Schwalbengenerationen, vor Regen geschützt und in einer Umgebung wie im Schlaraffenland. Mit der Viehzucht und deren Begleiterscheinungen, wie Ställen, Futtermieten und Misthaufen, sorgte der Mensch für beste Lebensbedingungen. Das Baumaterial, feuchter Lehm, war gleich an jeder Ecke zu finden. Über Jahrhunde wuchs die Bindung zum Menschen. Heute möchten wir uns die Schwalben nicht mehr weg denken. Trotzdem gibt es bereits eine Reihe “Schwalbenfreier Dörfer“. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Lebensbedingungen der Schwalben einigermaßen in Ordnung. Sieht man sich Bilder unserer Dörfer, z. B. noch aus den 60-iger Jahren an, weiß man wovon die Rede ist.

Manches Dorf ist mittlerweile ohne Viehzucht oder sogar ohne Landwirt. Unbefestigte Höfe, Gehsteige mit Straßenrinne, gespeißt aus den Abgüssen der Häuser, sind selbst aus unserer Erinnerung verschwunden. Dabei ist nicht jede Versiegelung nötig, aber Pflastersteine, Beton und Teer sind noch immer nicht aus der Mode. Unser Wahn nach Sauberkeit lässt immer mehr Flächen Sterben, denn Tod ist der zugepflasterte Boden allemal. So ist das Finden von Baumaterial vermutlich das größte Problem unserer Schwalben. Putze mit Kunststoffzugaben oder verschiedene Anstriche sorgen für „haltlose“ Wände und für zusätzliche Wohnungsnot.

Wie die allermeisten Erdenbewohner können sich auch unsere Rauch- und Mehlschwalben Umweltbedingungen in einem gewissen Rahmen anpassen. Doch mit dem gewaltigen Tempo, der wieder vom Menschen gemachten Veränderungen, können sie nicht Schritt halten.

Aber wir können helfen. Wir müssen dem Aussterben der Schwalben nicht tatenlos zusehen. Wir können den Schwalben in vielen kleinen lokalen Aktionen unter die Flügel greifen.

Toleranz

Ein Beispiel aus Lüxheim (Bild G.Wirth) (Zum Vergrößern anklicken)
Ein weiteres Beispiel aus Jülich-Bourheim (Bild G.Wirth) (Zum Vergrößern anklicken)

Jedes Jahr aufs Neue warten wir gespannt auf die Boten, die uns den nahenden Sommer verkünden. Gerne vernehmen wir dann das fröhliche Geschwätz, mit dem sich die weit Gereisten untereinander ihre Reiseabenteuer erzählen. Bewundernd schauen wir den Flugkünsten der Schwalben zu. Wir achten sie als Glücksbringer.

Wenn dann aber die ersten Kothäufchen auf dem Fensterbrett liegen ist so manch ein Tierfreund froh, dass es sich um Nachbars Fensterbank handelt. Dabei ist Toleranz bereits echte Überlebenshilfe.

Kotbretter

Ein so genanntes Kotbrett ist die Lösung, wenn die Toleranzgrenze überstrapaziert wird. Entsprechend der Farbe des Hauses angestrichen und sauber angebracht, fallen die Bretter nicht unangenehm auf. Folgende Hinweise sollten beachtet werden, damit die Aktion sich nicht zum Nachteil entwickelt und die Schwalben vergrault werden.

Der Abstand zum Nest muss mindestens 40 cm betragen. Gut sind eigentlich 50 bis 60 cm. Ist der Abstand zu gering, verlassen die Schwalben das Nest. Es wurde auch schon beobachtet, dass Eichelhäher oder Elstern bei zu geringem Abstand von solchen Sitzgelegenheiten aus, hüpfend an die Nester geraten und diese zerstören, um dann an die Gelege zu gelangen.

Weiterhin muss zwischen Hauswand und Nest 1,5 bis 2cm Abstand sein. Es kann ansonsten vorkommen, dass die Schwalben unter dem Brett neu bauen, da sich durch die Verbindung zur Wand eine neue Baumöglichkeit bietet.

Die ca. 25 cm breiten Bretter sollten mindesten 2cm stark sein, damit sie nicht durchhängen. Nimmt man dünnere Bretter sind evtl. mehr Winkel zur Auflage nötig. Verzinkte, oder Winkel aus Messing gibt es in jedem Baumarkt. Hiermit ist die Gefahr des Rostens und der damit verbundenen Roststreifen an der Wand ausgeräumt.

 

Eine Gaststätte in Heimbach-Hasenfeld, die ihre Kundschaft im linken Teil kaum mehr sitzen lassen konnte. Durch die Kotbretter ist es jetzt für die Gäste eine saubere und gleichzeitig spannende Angelegenheit, Natur hautnah zu erleben im Nationalpark! (Bild G.Wirth)
Eine Dachlatte auf den Deckel der Nester geschraubt (Achtung: die Schrauben sollen nicht durch den Deckel ins Nest ragen) und dann an den Dachbalken befestigt reicht zur Montage. (Bild G.Wirth) (Zum Vergrößern anklicken)

Kunstnester

Kunstnester helfen den Schwalben vor allem, wenn Baumaterial knapp ist. Dies ist der Fall, wenn offene Böden erst weit vom Bauplatz des Nestes vorhanden sind, oder wenn trockenes Wetter die letzten Pfützen versiegen lässt. Die Nester werden nicht immer angenommen. Es kann passieren, dass ein Nest noch am gleichen Tag besetzt wird. Andere sind jahrelang verwaist. Die Schwalben sind halt unterschiedlich in ihrem Bautrieb. Manchmal bauen sie gleich neben dem Kunstnest. Grundsätzlich sind Schwalben gesellig und bauen in der Nähe bereits bestehender Kolonien.

 

Schwalbenpfützen

Ein mit Dachpappe abgedichteter Holzrahmen mit Lehm gefüllt und mitten auf ein Garagendach gestellt ist eine einfache Lösung. Aber den Lehm bitte immer feucht halten. (Foto G.Wirth) (Zum Vergrößern anklicken)

Selbst an den fertigen Kunstnestern bauen viele Schwalben noch gerne herum. Vielleicht ist es eine Art Abreagieren des Bautriebes.

Aber wie bereits angesprochen ist fehlendes Baumaterial ein großes Problem. Auch hier können wir Abhilfe schaffen. Eine Erdmulde, abgedichtet mit einer Folie und mit lehmiger Erde befüllt wirkt wie ein Magnet auf die Schwalben. Ständig feucht gehalten ist diese “Kunstpfütze“ eine sichere Materialquelle.

Auch hier wieder einige Hinweise. Die Stelle sollte Katzensicher gewählt werden. Das heißt, ein ungestörtes anschleichen sollte Katzen unmöglich sein. Angewiesen auf das so dringend benötigte Material lockt man die Schwalben sonst in eine tödliche Falle. Weiterhin darf diese Quelle nicht versiegen. Ständige Feuchtigkeit ist ein Muss. Oft ist der Lehm schon nach einem Tag nicht mehr baufähig.

Die Schwalben müssen sich darauf verlassen können ihre Nester fertig bauen zu können. Oft ist das Aussetzen einer Brut das Ergebnis fehlenden Baumaterials.

Mut zum Handeln

Wie man dem Bericht entnehmen kann ist das Aussterben der Schwalben noch nicht endgültig. Auch wenn Faktoren hinzukommen die wir als Einzelner nicht beeinflussen können und die auch Einfluss auf das Überleben der Schwalben haben, sollten wir den Mut zum Handeln nicht verlieren. Der Spruch „wir können eh nichts ändern“ trifft nicht zu und verhindert in viel zu vielen Situationen unseres menschlichen Alltags ein nutzvolles Eingreifen,  dass Rettung bedeuten kann.

                Bericht und Fotos: Gottfried Wirth Tel.: 02429-3118

Unsere weiteren Informationen zum Thema Schwalben finden Sie hier...



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