BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


14. November 2016

Allianz für Streuobstbestände: BUND verzichtet auf Vereinbarung

Angesichts der heutigen Unterzeichnung der Vereinbarung „Allianz für Streuobstwiesen“ zwischen Landesumweltminister, Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband NRW (BUND NRW), warum er auf eine Mitzeichnung verzichtet hat: „In der Vereinbarung steht nichts, was wir als BUND nicht schon seit Jahrzehnten umsetzen. Einen belastbaren Mehrwert für den Schutz von Streuobstbeständen hätte das neue Landesnaturschutzgesetz erzielen müssen. Darauf wurde leider zu Gunsten dieser Vereinbarung weitgehend verzichtet“, sagte Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND.

Gemäß dem vor kurzem verabschiedeten Landesnaturschutzgesetz müssten die Streuobstbestände in NRW erst um 5 % zurückgehen, um gesetzlich geschützter Biotoptyp zu werden. Und auch dies würde nur für Bestände gelten, die mindestens 50 Meter von der nächsten Wohnstelle entfernt sind.

„Die Zerstörung von weiteren ca. 850 ha Streuobstbeständen zur Bedingung für ihren gesetzlichen Schutz zu erheben, ist schon kurios. Grotesk ist aber, dass fortan jeder, der neue Bestände anlegt, den gesetzlichen Schutz weiter verschleppt“, monierte Sticht.

Denn jede neue Streuobstwiese steuert einem Gesamtrückgang um 5 % entgegen, sodass gerade die wertvollen alten Bestände ohne gesetzlichen Schutz bleiben und weiterhin leichter gerodet werden können. Vor diesem Hintergrund sei aus BUND-Sicht eine Unterzeichnung der Vereinbarung nicht zu verantworten.

„Was wir neben dem gesetzlichen Schutz brauchen, ist eine Vereinfachung und Verbesserung der Förderung für die Bewirtschaftung von Streuobstbeständen, keine Vereinbarung über Maßnahmen, die es längst gibt“, sagte Sticht.

Streuobstbestände sind in NRW ein Biotoptyp der Roten Liste, der nach dem Zweiten Weltkrieg um etwa drei Viertel abgenommen hatte. Unter anderem wegen des Steinkauzes, für dessen Bestand Nordrhein-Westfalen eine bundesweite Verantwortung trägt und der hauptsächlich in alten Streuobstbeständen vorkommt, ist aus BUND-Sicht ein gesetzlicher Biotopschutz notwendig.

Saftpresse des BUND bekam dieses Jahr in Vossenack „Unterstützung“ durch Kinder des Fatima Kindergartens

©Doris Siehoff
©Doris Siehoff
©Doris Siehoff

01.Dezember 2015  (von der BUND Kreisgruppe/Rainer Wiertz)

Auch in diesem Jahr war die Saftpresse des BUND in Vossenack wieder früh ausgebucht, obwohl es sogar zwei Presstermine gab. Das Interesse an Saft aus den eigenen Äpfeln steigt von Jahr zu Jahr.Wie schon in den vorigen Jahren gab es wieder Kaffee und Kuchen von den Vossenacker Landfrauen und zusätzlich eine wärmende Suppe für die Mitarbeiter der DGA.

Erstmalig fand parallel eine Aktion des Kindergartens in Zusammenarbeit mit der Streuobstpädagogin Karin Wiertz statt. Die Kinder des Fatimakindergartens hatten in ihrem Gelände selbst Äpfel geerntet. Der Apfelbaum, von dem diese Äpfel stammten, wurde vor über 20 Jahren von Eltern im Kindergartengelände gepflanzt. Und in diesem Jahr brachte er eine stolze Ernte von ca. 40 Kilo zustande. Diese sollten nun verarbeiten werden. Dazu hatte Frau Wiertz von der Biostation eine kleine Handpresse ausgeliehen und die Kinder konnten mit ihrer eigenen Kraft Apfelsaft pressen, der ihnen auch sehr gut schmeckte. Insgesamt hatten die Kindergartenkinder eine Ausbeute von ca.20 Litern. Der Saft wurde dann im Kindergarten morgens beim Frühstück im Kinderrestaurant angeboten und die Eltern hatten beim diesjährigen Adventsbasteln die Möglichkeit, von diesem Saft zu kosten.

Unter allen Kunden der Saftpresse wurde wieder ein Hochstamm Apfelbaum alter Sorten verlost. Glückliche Gewinnerin war in diesem Jahr Frau Franken, die den Baum direkt mitnehmen konnte. Interessant ist immer wieder die Vielfalt der Sorten, die in Vossenack angeliefert werden. Davon konnten 11 Sorten bestimmt werden. Eine kleine Sortenausstellung ermöglichte sowohl die Betrachtung als auch das Probieren dieser Äpfel.

„Obstallee“ in Simonskall ist nun zur echten Allee geworden.

©Doris Siehoff

( von Rainer Wiertz / Dezember 2015 )

Aus einer Gemeinschaftsaktion von BUND, dem Verkehrsverein Vossenack Simonskall und den Vossenacker Landfrauen wurden 2012 die ersten 5 Obstbäume in Simonskall an der Straße in Richtung Mestrenger Mühle gepflanzt.

Durch eine vom Verkehrsverein organisierte Spendenaktion folgten 2013  weitere Bäume (10). Dies fand guten Anklang und so gab es weitere Spender. Die Ehrenamtler der Vereine organisierten die Fortsetzung der Pflanzungen. 2014 waren das  20 Bäume und nun am 28.11. 2015 wurden erstmals auf der anderen Straßenseite Bäume gepflanzt, so dass man nun von einer echten Allee sprechen kann.

Insgesamt sind bisher 50 Bäume gepflanzt worden. Das Besondere an der Aktion ist, dass es sich ausschließlich um alte Sorten handelt, die teilweise in ihrer Existenz bedroht sind.

Hier sind nur einige der teilweise schön klingenden  Namen genannt: Seidenhemdchen, Kaiser Wilhelm, Prinz Albrecht, Zigeunerin, Bäumchesapfel, Gelbe Schafsnase, Danziger Kantapfel, Rhein. Bohnapfel, Pastorenbirne…. Es sind insgesamt 42 verschiedene teilweise historische Sorten.

 

In Simonskall sind die freien Flächen nun bald erschöpft. Da die Aktion insgesamt meist positive Rückmeldungen bekam, wird nun über eine ähnliche Aktion in Vossenack nachgedacht. Traditionell war es in unserer Region üblich, dass an den Ortsrändern und in den Gärten Obstbäume standen und damit das Ortsbild prägten. Nach dem Krieg sind in den 50er Jahren viele Bäume gepflanzt worden, die später oft  Neubauten Platz machen mussten oder teilweise in schlechtem Pflegezustand sind. Durch die Möglichkeit die Äpfel im Dorf bei den Aktionstagen des Dürener Saftmobils zu Apfelsaft pressen und konservieren zu lassen, haben Obstbäume wieder einen größere Wertschätzung bekommen. In der Region gibt es Obstbaumwarte, die zur Unterstützung und Beratung angesprochen werden können. Eine Liste der Obstbaumwarte der Region, gibt es unter www.streuobstwiesen.net

Streuobstwiesen und Bienen liefern dieses Jahr erfreuliche Ergebnisse.

©Wiertz
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( von Rainer Wiertz / Dezember 2014 )

Sowohl die Betreiber der Saftpressen als auch die Imker waren in diesem Jahr zufrieden. Wie hängt dies zusammen?

2014 zeichnete sich durch einen sehr frühen und warmen Frühling aus. Davor der Winter war sehr mild. Der Ertrag der Obstbäume bedarf der Bestäubung durch Insekten. Da gibt es die Honigbiene und viele Wildbienenarten.

Beide sind wichtig und ergänzen sich gegenseitig. Die Honigbiene fliegt erst bei Temperaturen ab 12 Grad. Dafür überwintert sie im Volk mit großer Individuenzahl. Dadurch kann sie in Jahren wie 2014, bei warmer Witterung während der Obstblüte, das große Angebot der Blütenfülle im Frühjahr bedienen. Hohe Erträge in unseren Obstkulturen sind nur durch die Honigbiene möglich.

Wildbienen und Hummeln fliegen schon bei niedrigeren Temperaturen. Da sie jedoch als Einzeltiere überwintern kommen sie im Frühjahr nur in relativ geringer Anzahl vor. Ihnen verdanken wir, dass auch in kalten Jahren ein Mindestbesatz an Obst vorhanden ist. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ihnen einen Lebensraum erhalten, in dem Sie Futter und Brutmöglichkeiten finden. Deshalb sollten wir unsere Wiesen nicht zu oft mähen damit die Wildpflanzen zu Blüte und Samenbildung kommen können. Auch sind hohle Stängel wichtig, die in „aufgeräumten“ Gärten nicht zu finden sind. Todholzhaufen und liegen gelassene Staudenstängel bilden natürliche Brutmöglichkeiten für viele Wildbienen. Wenn wir etwas Mut zur Wildnis haben, dann ist den Wildbienen mehr geholfen als mit dem Anbringen von „Insektenhotels“.

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Ein totaler Ausfall an Obst ist in der Regel durch Frost in der Blüte bedingt. Dann kann keine Befruchtung stattfinden.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Nach einigen schlechten Jahren für die Imker gab es dieses Jahr wieder eine relativ gute Honigernte und eine gute Entwicklung der Bienenvölker. Die durch den frühen und warmen Frühling bedingte lange Saison der Bienenaktivität war auch für den Bienenschädling die Varoamilbe günstig. Diese konnte sich gut entwickeln und im Herbst haben wir in vielen Völkern leider wieder einen hohen Schädlingsbesatz. Die Varoamilbe schwächt die Bienen und überträgt Krankheiten.

Im Jahr 2013 war es ganz anders. Da war es bis Ende Juni kalt und es gab keinen Frühlingshonig und die Varoamilbe hatte durch die kürzere Brutaktivität der Bienen schlechte Vermehrungsbedingungen.

Dass wir auf unseren Obstwiesen in diesem Jahr einen guten Ertrag hatten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrzahl der Obstwiesen in einem schlechten Pflegezustand sind. Da bedarf es sowohl fachgerechter Schnittmaßnahmen (wobei die neu ausgebildeten Obstbaumwarte helfen können) als auch einer Verjüngung durch neue Bäume.

In diesem Jahr wurden während der Pressaktionen der mobilen Saftpresse des BUND in Kleinhau und Vossenack auch Obstbäume angeboten. 22 Hochstammbäume alter Regionalsorten wurden verkauft. Zusätzlich wurden noch 40 weitere Bäume bestellt, die in den nächsten Tagen gepflanzt werden.

Insgesamt zeigt sich ein wachsender Trend das Obst der Wiesen zur Saftproduktion zu nutzen. Dadurch steigt die Wertschätzung der Obstwiesen und sicher ist es auch für unsere Gesundheit von Vorteil den leckeren wertvollen Saft unserer Region zu trinken. Die Saftpressen der Region waren dieses Jahr gut ausgebucht. Die mobile Saftpresse des BUND hat knapp 14.000 Liter Saft gepresst, wobei der Großteil von den Apfelbaumbesitzern zur Eigennutzung mitgenommen wurde.

Jetzt ist Zeit zum Obstbaumschnitt - Hochstamm-Obstbäume lohnen sich

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©D.Siehoff

( von Rainer Wiertz / Februar 2013 )

"Der Winter ist traditionell die Zeit zur Pflege der Obstbäume. Schnittmaßnahmen sind noch möglich bis die Blätter kommen.

In unserer Region gibt es noch relativ viele alte Obstbäume mit alten wertvollen Sorten. Oft stehen sie in Hausgärten oder auch auf Streuobstwiesen, die meist am Rande der Dörfer liegen und für die Artenvielfalt unserer Natur von großer Bedeutung sind.

Leider sind viele dieser Bäume in den letzten Jahren nicht mehr gepflegt worden und befinden sich im Alters- oder bereits im „Abgangsstadium“. Obwohl in den letzten Jahren teilweise neue Bäume (oft als Ausgleichsmaßnahme) gepflanzt wurden, ist die Situation kritisch, da Bäume im Mittelalter (20-50 Jahre) kaum vorhanden sind. Gehen die alten Bäume nun ein, so mangelt es gerade an den Bäumen, die ökologisch am wertvollsten sind. Auch werden dabei alte geschätzte Sorten möglicherweise für immer verschwinden. 

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Einiger der Obstbäume stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg, dann sind in den 50 er Jahren viele gepflanzt worden. Erhalten diese Bäume nun einen Verjüngungsschnitt, dann können sie noch einige Jahrzehnte durchhalten, denn gepflegte Apfelbäume auf Hochstamm können 80 – 100 Jahre alt werden. Oft fehlt die Kenntnis für diesen fachgerechten Schnitt.  

Inzwischen sind in unserer Region Obstbaumwarte des Kompetenznetzwerks LEADER-Eifel ausgebildet worden, die bei der Pflege mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ansprechpartner finden Sie im Internet unter www.streuobstwiesen.net/Obstbaumwarte. Dort finden Sie auch Informationen über Fachwissen, Bezugsquellen und zu Kursen zum Thema Obstbäume.

Zur Rentabilität eines Hochstamm Obstbaumes kann man folgendes Kalkulieren.

Der Baum kostet etwa 25,00 Euro. Er wird bis zu 100 Jahre alt und kann in der Hauptertragszeit, diese dauert etwa 65 Jahre, jährlich 100 bis zu 300 kg Äpfel liefern. Dazu kommt noch Obstblütenhonig.  Der ökologische Wert ist auch zu berücksichtigen, dies sind: Sauerstoffproduktion, Luftreinhaltung, Wasserhaushaltregulierung, Nährstoffpumpe, CO2 Fixierung (durch Holz und Humusbildung, Klimaschutz) und Artenschutz. Am „Ende“ gibt es noch wertvolles Möbelholz oder wenigstens Brennholz.

Das ist eine langfristige Anlage, die kaum zu toppen ist!"

Zusammenarbeit der Vereine in Vossenack im Bereich Obstwiesen

©Wiertz
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Der Anfang zu einer Obstbaumallee in Simonskall ist gemacht.

( von Rainer Wiertz / Januar 2013 )

Im Herbst 2012 kam die mobile Obstpresse (Saftmobil) des BUND zum dritten Mal in Vossenack zum Einsatz. Wieder war die Saftpresse einen Tag lang ausgelastet; es wurden 2500 Liter Saft aus etwa 4000 kg Obst (Äpfel, Birnen, Quitten) gepresst.

Zum zweiten Mal haben die Vossenacker Landfrauen in der Aula der Grundschule gegen Spenden Kuchen und Kaffee angeboten, so dass es nicht nur eine Obstpressaktion gab, sondern auch eine Demonstration von kulinarischen Produkten aus heimischer Erzeugung. Bei Kaffee und Kuchen ließ sich dann auch gut diskutieren, welche Apfelsorten man hat, warum die Erträge dieses Jahr regional so unterschiedlich waren und natürlich auch andere Themen.

Im Vorfeld hatte der Verkehrsverein Vossenack Simonskall (VVS) die Möglichkeit erwägt, in Simonskall eine Obstallee entlang des Weges bis zum Waldrand Richtung Mestrenger Mühle anzulegen. Der BUND hat sich auf die Fahne geschrieben, die Erträge des Saftmobils für den Naturschutz und speziell für den Obstwiesenschutz einzusetzen. In Kombination mit den Spenden der Landfrauen passte dies gut zusammen und nach dem Motto, „es gibt nichts gutes außer man tut es“ wurde direkt Hand angelegt.

Von den Einnahmen (150,00 €) aus dem Kaffee- und Kuchenangebot der Landfrauen wurden 5 Hochstamm Apfelbäume erstanden (1 rote Sternrentte, 1 roter Boskop, 1 österr. Wegenerapfel, 1 rheinischer Winterrambur 1 roter Eiserapfel). Der Verkehrsverein finanzierte die Stützpfähle und der BUND das Material zum Schutz der Bäume. Mitglieder des BUND und des Verkehrsvereins leisteten gemeinsam den Arbeitseinsatz.

Es ist geplant, in diesm Jahr mit der Aktion fortzufahren und die Lücke bis zum Hotel Kallbach zu schließen.

Parallel zu den Obstpressaktionen gab es in  Kleinhau und Vossenack die Möglichkeit, über eine Sammelbestellung alte Obstbaumsorten zu bestellen. Es wurden insgesamt 33 Bäume bestellt und in der Region gepflanzt. Dies wird auch im nächsten Jahr wieder möglich sein. Neben den ehrenamtlichen Helfern des BUND stehen bei den Obstpressaktionen auch die neu ausgebildeten Obstbaumwarte des Streuobstwiesennetzwerkes für Informationen zu Sortenfragen und Pflegemaßnahmen zur Verfügung.

Streuobst – ein verschwindendes Kultur- und Wirtschaftsgut?

Bild© D.Siehoff

(von Rainer Wiertz  / März 2012)  

In Zeiten der Globalisierung ist auch eine deutliche Tendenz zur Regionalisierung erkennbar. Diese bewirkt, die Erhaltung von Arbeitsplätzen, Konservierung von Kulturgütern und traditionellen Werten. Der Schutz von Klima und Artenvielfalt auf unserer Erde kann nur durch regionale Aktivitäten erfolgreich sein. 

Hier zählen der Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen besonders in unserer Eifelregion zu besonders wichtigen Maßnahmen, da sie auf einer alten Tradition beruhen. In der Vergangenheit haben die in die Landschaft gestreuten Obstbäume „Streuobstwiesen“ einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Bevölkerung geleistet. Sie waren in der meist kargen Winterzeit wichtiges und gesundes Nahrungsmittel, was auch die vielen Rezepte belegen. Es gab Sorten mit unterschiedlichen Haltbarkeiten und Nutzungsschwerpunkten, die an das Eifelklima angepasst waren (es gab etwa 2000 Apfelsorten in Deutschland). 

Dem Vieh boten sie auf den Weiden einen gewissen Schutz bei Wind und Regen, den Imkern lieferten sie Honig und auch das Holz trug in geringem Umfang zur Energielieferung bei. 

Die Züchtung von lokalen Obstsorten begann im Mittelalter und ging damals vorwiegend von den Klöstern aus. Im 19. Jahrhundert hatten die Streuobstwiesen ihren Höhepunkt und alle ländlichen Ortschaften Deutschlands waren von Obstwiesen umgeben. Damit haben die Obstwiesen nicht nur eine ökologische sondern auch eine kulturhistorische Bedeutung! 

Diese Werte verloren in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhundert an Bedeutung und die Obstwiesen wurden nicht mehr gepflegt und teils gerodet. Dann begann eine langsame Rückbesinnung und Streuobstwiesen wurden von den Behörden gefördert. Hochstammbäume wurden wieder gepflanzt. Dies erkennen wir an der Alterszusammensetzung unserer Obstwiesen. Das Mittelalter (20 – 40 jährige Bäume) fehlt. Wie in der menschlichen Gesellschaft, in der wir den demographischen Wandel beklagen, ist dies auch in der Natur unserer Obstwiesen ein Problem, denn eine gesunde Artenvielfalt braucht Bäume aller Altersklassen. Aus diesem Grunde ist es in der gegenwärtigen Situation sehr wichtig, die noch vorhandenen Altbäume durch Pflegemaßnahmen (Verjüngungsschnitt) noch möglichst lange zu erhalten, damit das fehlende „Mittelalter“ sich nicht so tragisch auswirkt, denn viele Arten (Vögel, Insekten und auch Flechten) brauchen gerade die alten Bäume. Auch stellen diese oft wichtiges Genmaterial dar, das schützenswert ist. Darauf hat man in der Vergangenheit nicht geachtet und viele alte, regionaltypische Sorten sind schon verschwunden.

 

Obstbaumschnitt kann im zeitigen Frühjahr noch durchgeführt werden, solange die Bäume keine Blätter haben. Grundsätzlich ist ein Sommerschnitt für die Bäume günstig. Kirschen und Walnüsse dürfen nur im Sommer geschnitten werden, da sie sonst sehr stark „bluten“.

 Tradition ist nicht das Bewahren der Asche sondern das Weitergeben des Feuers. Man kann auch sagen: „Tradition ist nicht das Archivieren von Bildern alter Obstbäume sondern die Pflege und Neupflanzung von Obstwiesen und Nutzung der Produkte.“

Der BUND des Kreises Düren hat 2010 ein Saftmobil angeschafft, das nun in unserer Region eingesetzt wird. Besonders groß war die Nachfrage in Kleinhaun und Vossenack. Wer sich nicht rechtzeitig angemeldet hatte, musste in andere Orte ausweichen.

Dies ermöglicht den Obstbaumbesitzern, die gesunden Äpfel ihrer Gärten für den Eigenbedarf zu Konservieren und wieder sinnvoll zu nutzen. Da die modernen Keller nicht mehr gut für die Lagerung von Obst geeignet und die Qualitätsanforderungen gestiegen sind, kann die traditionelle Lagerhaltung nicht mehr betrieben werden. Mit dem Apfelsaft des Saftmobils hat man ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt, das gut lagerfähig ist und dazu noch einen speziellen Bezug durch die eigene Produktion bekommt. Damit erhalten die Apfelbäume eine gesteigerte Wertschätzung, die eine positive Rückwirkung auf die Einstellung zu Streuobstwiesen hat und damit die Grundlage für eine Pflege, Erhaltung und möglicherweise auch zur Neuanlage von Streuobstwiesen bildet.

 Zum Obstpressen kamen am 5.11. insgesamt 26 Familien nach Vossenack davon waren 21 aus Hürtgenwald. Die gesamte Menge an gepresstem Apfelsaft betrug  2500 Liter. Das entspricht einer Obstmenge von etwa  4000 kg. Besondere Attraktionen waren dieses Mal das Kuchenagebot der Vossenacker Landfrauen (natürlich hauptsächlich Apfelkuchen in vielfältigen köstlichen Variationen) und eine Verlosung für die Teilnehmer der Obstpressaktion. Bei nur 26 Losen und 3 Gewinnen war die Gewinnchance sehr hoch. Den Hauptgewinn, einen Hochstamm Apfelbaum alter Landsorte, erhielt Frau Brüll von den  Vossenacker Landfrauen.

 Auch in diesem Jahr wird es wieder Pressaktionen geben (am 29.09. in Kleinhau und am 03.11. in Vossenack), dabei wird die Möglichkeit bestehen Obstbäume, die für unsere Region geeignet sind, zu bestellen.

Eine Möglichkeit Obstwiesen mit altem Baumbestand wieder zu pflegen und zu nutzen ist die Vermittlung von Patenschaften.Es gibt bereits eine Anfrage dafür, dass eine Familie, die auch fachkundig ist, gerne eine Wiese pflegen und nutzen möchte.

 Interessenten, die bereit sind Ihre Wiese für Patenschaften zur Verfügung zu stellen oder umgekehrt wer gerne Obstbäume pflegen und nutzen möchte, kann sich zur Vermittlung an die Obstbaumwartin Frau Krüger Hellwig in Kleinhau wenden (Tel.: 02429/902074).

Quelle: www.fewo-immengarten.de

Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen

Bild© U.Gerke
Bild© U.Gerke

Obstwiesen und -weiden sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft der Eifel und Voreifel. Durch Überalterung und mangelnde Pflege sind in den letzten Jahren immer mehr zusammenhängende Streuobstbestände aus der Kulturlandschaft der Eifel verschwunden.

In den drei Eifelkreisen Aachen, Düren, Euskirchen, bestehen zahlreiche Initiativen, die sich bereits heute im Streuobstbau engagieren.

 

Ziel ist, Synergien auszuschöpfen durch

- die Vernetzung der zahlreichen Initiativen etc.,

- die Schulung der Obstwiesenbewirtschafter,

- die Ausbildung von Baumwarten,

- Öffentlichkeitsarbeit, Internet-Auftritt und eine online-Handreichung zur Vermarktung etc.

Wir bieten unsere Zusammenarbeit an! Wir wollen die Schnitt- und Pflanz-Aktionen der BUNDgruppen Langerwehe, Rureifel und Jülicher Land in dieses Projekt einbringen.

 

Ebenso ist unser Projekt „Dürener-Saft-Mobil“ , das wir 2010 mit unserem Projekt-Partner „Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung“ (DGA) verwirklicht haben, implementiert worden.

 

Link zum Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen:

 www.streuobstwiesen.net

 

Obstwiesenschutz ist Artenschutz

Wir pachten, kaufen, pflegen Obstwiesen im ganzen Kreis Düren.

Wir unterstützen private Eigentümer bei der Pflege (vgl. Schnittkurse im Jahresprogramm), der Nutzung der Früchte (vgl. Saftpressaktionen im Jahresprogramm) und der Neuanlage bzw. Erneuerung von Obstwiesen (vgl. Pflanzaktionen).

Wir wenden uns gegen den ungehemmten Flächenfraß für neue Bau- und Gewerbegebiete und  neue Straßen, auch zum Schutz der wenigen noch erhaltenen wertvollen alten Obstwiesenbestände, die einst unsere Dörfer umgaben.

Unser Projekt aus 2009 "Dürener Saft-Mobil" soll das unterstützen, wir arbeiten daran. (siehe auch vergl. unser durchgeführtes Schaupressen ).

In 2010 werden wir das Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen unterstützen.

(Nachfolgende Bilder können zum Vergrößern angeklickt werden)

Obstbaumwart Schulung 2010 ©BUND Düren
Obstwiese bei Arnoldsweiler©Schulte
©U.Gerke
©U.Gerke
©U.Gerke
©BUND Düren
©BUND Düren
Quelle: http://www.bund-dueren.de/themen_projekte/projekt_streuobstwiesen/