BUND Kreisgruppe Düren

Streuobstwiesen im Kreis Düren

Ein verschwindendes Kultur- und Wirtschaftsgut?

Obstblüte im Frühjahr Obstblüte im Frühjahr  (Ulrich Gerke)

In Zeiten der Globalisierung ist auch eine deutliche Tendenz zur Regionalisierung erkennbar. Diese bewirkt, die Erhaltung von Arbeitsplätzen, Konservierung von Kulturgütern und traditionellen Werten. Der Schutz von Klima und Artenvielfalt auf unserer Erde kann nur durch regionale Aktivitäten erfolgreich sein. 

Hier zählen der Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen besonders in unserer Eifelregion zu besonders wichtigen Maßnahmen, da sie auf einer alten Tradition beruhen. In der Vergangenheit haben die in die Landschaft gestreuten Obstbäume "Streuobstwiesen" einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Bevölkerung geleistet. Sie waren in der meist kargen Winterzeit wichtiges und gesundes Nahrungsmittel, was auch die vielen Rezepte belegen. Es gab Sorten mit unterschiedlichen Haltbarkeiten und Nutzungsschwerpunkten, die an das Eifelklima angepasst waren (es gab etwa 2000 Apfelsorten in Deutschland). 

Dem Vieh boten sie auf den Weiden einen gewissen Schutz bei Wind und Regen, den Imkern lieferten sie Honig und auch das Holz trug in geringem Umfang zur Energielieferung bei. 

Die Züchtung von lokalen Obstsorten begann im Mittelalter und ging damals vorwiegend von den Klöstern aus. Im 19. Jahrhundert hatten die Streuobstwiesen ihren Höhepunkt und alle ländlichen Ortschaften Deutschlands waren von Obstwiesen umgeben. Damit haben die Obstwiesen nicht nur eine ökologische sondern auch eine kulturhistorische Bedeutung! 

Diese Werte verloren in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhundert an Bedeutung und die Obstwiesen wurden nicht mehr gepflegt und teils gerodet. Dann begann eine langsame Rückbesinnung und Streuobstwiesen wurden von den Behörden gefördert. Hochstammbäume wurden wieder gepflanzt. Dies erkennen wir an der Alterszusammensetzung unserer Obstwiesen. Das Mittelalter (20 - 40 jährige Bäume) fehlt. Wie in der menschlichen Gesellschaft, in der wir den demographischen Wandel beklagen, ist dies auch in der Natur unserer Obstwiesen ein Problem, denn eine gesunde Artenvielfalt braucht Bäume aller Altersklassen. Aus diesem Grunde ist es in der gegenwärtigen Situation sehr wichtig, die noch vorhandenen Altbäume durch Pflegemaßnahmen (Verjüngungsschnitt) noch möglichst lange zu erhalten, damit das fehlende "Mittelalter" sich nicht so tragisch auswirkt, denn viele Arten (Vögel, Insekten und auch Flechten) brauchen gerade die alten Bäume. Auch stellen diese oft wichtiges Genmaterial dar, das schützenswert ist. Darauf hat man in der Vergangenheit nicht geachtet und viele alte, regionaltypische Sorten sind schon verschwunden.

Pflege und Verarbeitung

Teilnehmer*innen eines Schnittkurses für Obstbäume im Winter. Teilnehmer*innen eines Schnittkurses für Obstbäume im Winter.  (Ulrich Gerke)

Obstbaumschnitt kann im zeitigen Frühjahr noch durchgeführt werden, solange die Bäume keine Blätter haben. Grundsätzlich ist ein Sommerschnitt für die Bäume günstig. Kirschen und Walnüsse dürfen nur im Sommer geschnitten werden, da sie sonst sehr stark "bluten".

 Tradition ist nicht das Bewahren der Asche sondern das Weitergeben des Feuers. Man kann auch sagen: "Tradition ist nicht das Archivieren von Bildern alter Obstbäume sondern die Pflege und Neupflanzung von Obstwiesen und Nutzung der Produkte."

Der BUND des Kreises Düren hat 2010 ein Saftmobil angeschafft, das nun seit einem Jahrzehnt in unserer Region eingesetzt wird.

Dies ermöglicht den Obstbaumbesitzern, die gesunden Äpfel ihrer Gärten für den Eigenbedarf zu Konservieren und wieder sinnvoll zu nutzen. Da die modernen Keller nicht mehr gut für die Lagerung von Obst geeignet und die Qualitätsanforderungen gestiegen sind, kann die traditionelle Lagerhaltung nicht mehr betrieben werden. Mit dem Apfelsaft des Saftmobils hat man ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt, das gut lagerfähig ist und dazu noch einen speziellen Bezug durch die eigene Produktion bekommt. Damit erhalten die Apfelbäume eine gesteigerte Wertschätzung, die eine positive Rückwirkung auf die Einstellung zu Streuobstwiesen hat und damit die Grundlage für eine Pflege, Erhaltung und möglicherweise auch zur Neuanlage von Streuobstwiesen bildet.

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