Der Wolf kehrt zurück
Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, besonders auch in unsere Region, sorgt seit Jahren für Diskussionen. Während wir die Wiederansiedlung als Erfolg für die Artenvielfalt feiern, begegnen viele Menschen dem Raubtier mit Skepsis und Sorge. Tatsächlich zeigt die Entwicklung: Der Wolf ist längst wieder Teil deutscher Landschaften. Und damit auch Teil einer gesellschaftlichen Debatte über das Zusammenleben von Mensch und Natur. Schließlich gehört der Wolf seit vielen Jahren zu den streng geschützten Tierarten.
Wölfe leben bevorzugt in ruhigen, waldreichen Regionen mit ausreichend Rückzugsräumen und Nahrung. Bei uns finden sie solche Bedingungen vor allem in der Eifel. Seit Oktober 2021 lässt sich im Nationalpark Eifel, in der Gegend um Monschau herum bis in den Kreis Euskirchen, eine Wolfsfamilie aus mindestens neun Tieren nachweisen. Sie stammen ursprünglich aus dem Hohen Venn in Belgien. Daneben befindet sich in Hürtgenwald ein weiteres Wolfsterritorium. Wölfe ernähren sich überwiegend von Wildtieren wie Rehen, Hirschen oder Wildschweinen. Begegnungen mit Menschen sind hingegen äußerst selten, denn Wölfe gelten grundsätzlich als scheu und meiden den direkten Kontakt. Der Mensch passt gar nicht in deren Beuteschema. So kam es in den letzten rund 75 Jahren gerade mal zu knapp zehn Angriffen durch den Wolf, in ganz Europa wohlgemerkt (unter anderem aufgrund von Tollwut). In Deutschland gab es bisher keinen einzigen Fall.
Trotzdem löst ihre Rückkehr immer wieder Ängste aus. Besonders Weidetierhalter sorgen sich um den Schutz ihrer Herden, während manche Bürger eine Gefahr für Menschen befürchten. Experten betonen jedoch, dass Wolfsangriffe auf Menschen in Mitteleuropa äußerst ungewöhnlich sind. Vielmehr entstehen Konflikte oft durch Unsicherheit oder mangelnde Informationen über das Verhalten der Tiere.
Um diese Ängste abzubauen, setzen der BUND, aber auch zum Beispiel Behörden auf mehr Aufklärung und Prävention. So führt das LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen) ein flächendeckendes Monitoring durch, um Präventionsmaßnahmen weiter zu entwickeln, und Schäden (die fast ausschließlich Nutzieren wie Schafe und Ziegen betreffen) möglichst zu vermeiden. Herdenschutzzäune, speziell ausgebildete Hunde, finanzielle Entschädigungen sowie Zuwendungen für Präventionsmaßnahmen für Tierhalter gelten als wichtige Maßnahmen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, weit verbreitete Vorurteile abzubauen und Wissen über den Wolf und dessen natürliche Lebensweise zu vermitteln.
Die Rückkehr des Wolfes zeigt letztlich, dass sich Naturräume in Deutschland erholen können. Selbst noch nach Jahrhunderten. Auch wenn der Umgang mit dem Wolf Herausforderungen mit sich bringt, überwiegen doch die Chancen: Denn der Wolf trägt zu einem natürlichen Gleichgewicht in den Ökosystemen bei und steht symbolisch für erfolgreichen Artenschutz. Seine Wiederansiedlung bei uns in der Eifel ist damit nicht nur ein ökologischer Erfolg, sondern auch eine gesellschaftliche Chance, den Umgang mit Wildnis neu zu lernen.
Böse Märchen waren gestern. Lasst uns unsere Natur wieder Natur sein.
Weiterführende Links zum Wolf:
BUND Landesverband NRW
BUND Bundesverband
Bei Fragen oder Anregungen:
Andreas Niemann-Weber
02429 - 901635